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Vom Tief zum Hoch - Eine kleine Geschichte über unterschiedliche Druckzustände in und um Brunn

Wenn man Bluthochdruck hat, sollte man den Arzt aufsuchen. Klingt vernünftig. Wenn ein Autoreifen auf unnatürliche Art und Weise plötzlich zu niedrigen Druck hat, ist man gut in einer Werkstatt aufgehoben. Oder vielleicht sogar bei der Polizei. Glauben Sie nicht? Ich auch nicht - nicht mehr. Zumindest Letzteres.

Was man aber keinesfalls machen sollte, ist eine Verknüpfung der beiden doch recht unterschiedlichen Sachverhalte.

Bluthochdruck entsteht ja durch alles Mögliche. Behaupten zumindest die Ärzte. Aber so genau wissen die das auch nicht wirklich. Reifenunterdruck lässt sich leichter diagnostizieren. Da geht man ins Studio für Autofußpflege. Also:

An einem lauschigen Abend stelle ich fest, und mit mir andere Menschen auch, dass der rechte Hinterreifen meines Fahrzeugs doch arg schlapp daherkommt. Empfehlung: Siehe oben. Mache ich auch am nächsten Tag. Frohgemut betrete ich die Räumlichkeiten des Autofußpflegers und bringe mein Anliegen vor. Schon nach wenigen Minuten ist die Ursache des Unterdrucks klar: kein Nagel, kein Messer, ein feiner Stich in die Seitenwand. So entsteht Druckabfall im Reifen. Gleichzeitig aber auch Überdruck . Nämlich bei mir. Was tun? Der Autofußpfleger ist sich seiner Diagnose sicher. Welcher .... war das? Na ja, er wird sich wohl nicht bei mir persönlich melden. Zumindest nicht gleich.

So beschließe ich nach gründlicher Überlegung, die Polizei aufzusuchen. Und da ich ja eh einen Termin beim Fachmann für Überdruck habe, entscheide ich mich für eine zeitlich enge Zusammenlegung beider Termine. Räumlich sind die Institutionen nicht weit voneinander entfernt.

Ich war, glaube ich, letztmals vor ungefähr 45 Jahren auf einer Polizeistation. Nicht als Sünder, sondern in Begleitung meines Schwiegervaters, der dort einige Kumpels hatte. Am meisten hatte mich damals der prall gefüllte Kühlschrank der Ordnungshüter beeindruckt. Mineralwasser konnte ich allerdings unter den zahlreichen Flaschen nicht entdecken. Und Milch auch nicht. Aber, wie gesagt, das ist lange her.

Diesmal stoße ich in keinster Weise bis ins Allerheiligste vor. Ich kenne hier ja auch niemanden. Und nach einer umständlichen Eintrittsprozedur darf ich einem freundlichen jungen Mann mein Anliegen vortragen. Er scheint sehr angetan von meinem enorm wichtigen Fall zu sein und bescheidet mich, doch noch ein wenig im Vorraum mit anderen Bedrückten zu warten. Nach ca. einer halben Stunde erscheint tatsächlich ein weiterer junger Beamter noch im dezenten Waidmannsgrün und geleitet mich nach außen, wo er von mir wissen will, ob wir nun nach links oder rechts zu gehen hätten. Jetzt kapiere ich. Er meint, ich sei mit dem Fahrzeug und dem gemeuchelten Reifen hier. Na ja. Leider nein. Der Dahingeschiedene ging den Weg aller ermordeten Autoreifen. Und leider habe ich ihn nach seinem Ableben auch nicht im Bilde festgehalten. Damit, meint der freundliche junge Mann, werde die Beweislage schwieriger. Ein Blick auf mein Smartphone zeigt mir, dass ich in wenigen Minuten zur Besprechung meines Überdrucks beim Medizinmann sein muss. Ich verabschiede mich höflich und versichere, auf jeden Fall diesen reizvollen Ort noch einmal aufsuchen zu wollen. Hochdruck hin oder her. Eine knappe Stunde später setzte ich zum zweiten Versuch an.

Wieder ist der Vorraum gefüllt mit gequält aussehenden Mitbürgern. Ein Vater erklärt seinem Sohn nachdrücklich und gut hörbar, was er nun der Polizei mitteilen solle und was nicht und dass er eigentlich am besten die Klappe halte, bevor er sich wieder im Dickicht der Fakten verheddere. Er, der Papa, mache das schon. Weitere 30 Minuten später bedeutet mir der Chef vom Dienst, dass ich damit rechnen dürfe, in Kürze vorgelassen zu werden. Freudig erregt, fasse ich im Geiste noch einmal die Sachlage zusammen und überprüfe das Vorhandensein der notwendigen Papiere. Da ist auch schon ein junger Polizist, anscheinend gibt es hier keine alten Polizisten und auch keine Polizistinnen. Tja, und dann verschwindet er mit der außer mir hier noch anwesenden Person hinter einer gut gesicherten Glastüre. Zwanzig Minuten später öffnet sich dieselbe wieder. Sie entlässt die ältere Dame. Der junge Mann erklärt mir etwas, das so klingt wie: "Gleich ist es soweit." Ich warte und lese zum soundsovielsten Male meine Mails. Dann geht wieder die Tür auf. Der Chef vom Dienst bemüht sich sichtlich verlegen, mir Folgendes zu unterbreiten: Der Sachbearbeiter, der für mich vorgesehen war, wurde zu einem Einsatz gerufen. Ein Ersatz sei aber mit ziemlicher Sicherheit in ca. einer halben Stunde hier. Ich könne gerne noch ein wenig warten.

Draußen atme ich die feuchte Herbstluft. Es regnet. Gegen hohen Blutdruck habe ich ein Rezept in der Tasche. Vielleicht sollte ich es einfach nur machen wie der Reifenkiller. Ein gezielter Nadelstich, und schon ist der Druck raus. Ach ja, ein Tätermotiv fehlt ja noch. Persönliche Rache, nehme ich mal schwer an. Man sollte keine Wohnungssuchenden mit dem Argument abspeisen, dass die Wohnung, die man zur Vermietung ausgeschrieben hat, schon vermietet sei. Zumal, wenn sie ortskundige Verbündete haben. Vielleicht passen ja irgendwie doch zwei Mieter in die Wohnung. Das erzeugt dann allerdings wieder einen gewissen Hochdruck. Dagegen helfen Tabletten oder ein gezielter Nadelstich...

© ReiF

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