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Nürnberg-Brunn

Kultur und Natur Brunn

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  • Vom Tief zum Hoch - Eine kleine Geschichte über unterschiedliche Druckzustände in und um Brunn

    Wenn man Bluthochdruck hat, sollte man den Arzt aufsuchen. Klingt vernünftig. Wenn ein Autoreifen auf unnatürliche Art und Weise plötzlich zu niedrigen Druck hat, ist man gut in einer Werkstatt aufgehoben. Oder vielleicht sogar bei der Polizei. Glauben Sie nicht? Ich auch nicht - nicht mehr. Zumindest Letzteres.

    Was man aber keinesfalls machen sollte, ist eine Verknüpfung der beiden doch recht unterschiedlichen Sachverhalte.

    Bluthochdruck entsteht ja durch alles Mögliche. Behaupten zumindest die Ärzte. Aber so genau wissen die das auch nicht wirklich. Reifenunterdruck lässt sich leichter diagnostizieren. Da geht man ins Studio für Autofußpflege. Also:

    An einem lauschigen Abend stelle ich fest, und mit mir andere Menschen auch, dass der rechte Hinterreifen meines Fahrzeugs doch arg schlapp daherkommt. Empfehlung: Siehe oben. Mache ich auch am nächsten Tag. Frohgemut betrete ich die Räumlichkeiten des Autofußpflegers und bringe mein Anliegen vor. Schon nach wenigen Minuten ist die Ursache des Unterdrucks klar: kein Nagel, kein Messer, ein feiner Stich in die Seitenwand. So entsteht Druckabfall im Reifen. Gleichzeitig aber auch Überdruck . Nämlich bei mir. Was tun? Der Autofußpfleger ist sich seiner Diagnose sicher. Welcher .... war das? Na ja, er wird sich wohl nicht bei mir persönlich melden. Zumindest nicht gleich.

    So beschließe ich nach gründlicher Überlegung, die Polizei aufzusuchen. Und da ich ja eh einen Termin beim Fachmann für Überdruck habe, entscheide ich mich für eine zeitlich enge Zusammenlegung beider Termine. Räumlich sind die Institutionen nicht weit voneinander entfernt.

    Ich war, glaube ich, letztmals vor ungefähr 45 Jahren auf einer Polizeistation. Nicht als Sünder, sondern in Begleitung meines Schwiegervaters, der dort einige Kumpels hatte. Am meisten hatte mich damals der prall gefüllte Kühlschrank der Ordnungshüter beeindruckt. Mineralwasser konnte ich allerdings unter den zahlreichen Flaschen nicht entdecken. Und Milch auch nicht. Aber, wie gesagt, das ist lange her.

    Diesmal stoße ich in keinster Weise bis ins Allerheiligste vor. Ich kenne hier ja auch niemanden. Und nach einer umständlichen Eintrittsprozedur darf ich einem freundlichen jungen Mann mein Anliegen vortragen. Er scheint sehr angetan von meinem enorm wichtigen Fall zu sein und bescheidet mich, doch noch ein wenig im Vorraum mit anderen Bedrückten zu warten. Nach ca. einer halben Stunde erscheint tatsächlich ein weiterer junger Beamter noch im dezenten Waidmannsgrün und geleitet mich nach außen, wo er von mir wissen will, ob wir nun nach links oder rechts zu gehen hätten. Jetzt kapiere ich. Er meint, ich sei mit dem Fahrzeug und dem gemeuchelten Reifen hier. Na ja. Leider nein. Der Dahingeschiedene ging den Weg aller ermordeten Autoreifen. Und leider habe ich ihn nach seinem Ableben auch nicht im Bilde festgehalten. Damit, meint der freundliche junge Mann, werde die Beweislage schwieriger. Ein Blick auf mein Smartphone zeigt mir, dass ich in wenigen Minuten zur Besprechung meines Überdrucks beim Medizinmann sein muss. Ich verabschiede mich höflich und versichere, auf jeden Fall diesen reizvollen Ort noch einmal aufsuchen zu wollen. Hochdruck hin oder her. Eine knappe Stunde später setzte ich zum zweiten Versuch an.

    Wieder ist der Vorraum gefüllt mit gequält aussehenden Mitbürgern. Ein Vater erklärt seinem Sohn nachdrücklich und gut hörbar, was er nun der Polizei mitteilen solle und was nicht und dass er eigentlich am besten die Klappe halte, bevor er sich wieder im Dickicht der Fakten verheddere. Er, der Papa, mache das schon. Weitere 30 Minuten später bedeutet mir der Chef vom Dienst, dass ich damit rechnen dürfe, in Kürze vorgelassen zu werden. Freudig erregt, fasse ich im Geiste noch einmal die Sachlage zusammen und überprüfe das Vorhandensein der notwendigen Papiere. Da ist auch schon ein junger Polizist, anscheinend gibt es hier keine alten Polizisten und auch keine Polizistinnen. Tja, und dann verschwindet er mit der außer mir hier noch anwesenden Person hinter einer gut gesicherten Glastüre. Zwanzig Minuten später öffnet sich dieselbe wieder. Sie entlässt die ältere Dame. Der junge Mann erklärt mir etwas, das so klingt wie: "Gleich ist es soweit." Ich warte und lese zum soundsovielsten Male meine Mails. Dann geht wieder die Tür auf. Der Chef vom Dienst bemüht sich sichtlich verlegen, mir Folgendes zu unterbreiten: Der Sachbearbeiter, der für mich vorgesehen war, wurde zu einem Einsatz gerufen. Ein Ersatz sei aber mit ziemlicher Sicherheit in ca. einer halben Stunde hier. Ich könne gerne noch ein wenig warten.

    Draußen atme ich die feuchte Herbstluft. Es regnet. Gegen hohen Blutdruck habe ich ein Rezept in der Tasche. Vielleicht sollte ich es einfach nur machen wie der Reifenkiller. Ein gezielter Nadelstich, und schon ist der Druck raus. Ach ja, ein Tätermotiv fehlt ja noch. Persönliche Rache, nehme ich mal schwer an. Man sollte keine Wohnungssuchenden mit dem Argument abspeisen, dass die Wohnung, die man zur Vermietung ausgeschrieben hat, schon vermietet sei. Zumal, wenn sie ortskundige Verbündete haben. Vielleicht passen ja irgendwie doch zwei Mieter in die Wohnung. Das erzeugt dann allerdings wieder einen gewissen Hochdruck. Dagegen helfen Tabletten oder ein gezielter Nadelstich...

    © ReiF

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  • Das Gedicht von einem Nürnberger Christkind auf Abwegen

    Das Christkind nascht vom Lebkuchengwürz
    und wird davon ganz high.
    Es fliegt am Hauptmarkt kreuz und quer
    mit fürchterlichem Gschrei.

    Dann landet es sehr fachgerecht
    auf einem Bratwurstgrill.
    Den Leuten g'fällt die Show nicht schlecht.
    Ein Herr fragt, was' dort will.

    Es sei halt jetzt, so lallt es dann,
    saukalt auf der Emporen.
    Sie habe sich, sagt sie dem Mann,
    die Füße schon erfroren.

    Viel lieber würd' sie auch einmal
    vom heißen Glühwein kosten.
    Doch habe sie, zu ihrer Qual,
    'nen öffentlichen Posten.

    Statt Christkind, meint sie, wär' es steil,
    sie wär' ein Rauschgoldengel.
    Dann gäb' es, und das fänd' sie geil,
    viel Rausch, viel Gold, viel Bengel.

    © ReiF

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  • Die Jahreszeiten im fränkischen Kurzgedicht



    Frühjahr und Sommer
    "Nuu ä Seidlä, Werd!"

    Herbst und Winter
    "Nuu ä Scheidlä, Werd!"



    © ReiF

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  • Die wahre Schöpfungsgeschichte, erzählt auf der Grundlage zahlreicher überzeugender alternativer Fakten

    "Am Anfang", sagte Horst zum lieben Gott, "machen wir Himmel und Erde". "Meinst du wirklich?", entgegnete ihm der liebe Gott etwas zögerlich. "Himmel ist schon in Ordnung, da will ich ja wohnen." "Und ich später auch," unterbrach ihn Horst. "Aber mit der Erde, irgendwie habe ich da ein ungutes Gefühl," sagte der liebe Gott. "Kann schon sein", meinte Horst, "dass nicht alles perfekt wird. Jedenfalls sollten wir jetzt gleich anfangen. Ich gebe dir sieben Tage Zeit, dann muss ich Wahlkampf machen und den Merkel-Besuch vorbereiten." "Wahlkampf, was ist das?" "Das erkläre ich dir später", entgegnete Horst. "Wie soll denn die Erde werden?", fragte der liebe Gott etwas verlegen. "Was heißt denn das schon wieder? Jetzt übst du seit ewiger Zeit an dem Weltall herum, und beim letzten Trumm stellst du dich so an!" "Na ja, " meinte der liebe Gott eingeschüchtert, "willst du sie rund oder vielleicht würfelförmig oder etwa länglich?" "Was für eine Frage," lieber Gott. Als ob im Weltall Würfel zu sehen wären. Rund natürlich, wie Knödel, wie bayerische Knödel, genauer gesagt." "Knödel", meinte der liebe Gott, "die kenne ich nicht." "Dann wird's Zeit", entgegnete Horst. "Wenn du mit dem Schöpfen fertig bist, dann lade ich dich ein nach Ingolstadt, wo ich herkomme oder nach München, wo es mir besonders gut gefällt. Am besten ins Hofbräuhaus, bei einer Maß Bier." "Jetzt langt's aber!", donnerte der liebe Gott. "Ich kenn' kein Ingolstadt und kein München und kein Hofbräuhaus und auch kein Bier." "Ja, ja, ich weiß", meinte Horst trotzig, bei dir gibt's Manna und so Zeug. Und damit ich's nicht vergesse" , fügte Horst hinzu, "in der Mitte von dem Knödel, da wo Bayern liegt, das du mir besonders schön machen musst, da lässt du einen blauen Fluss dahinrauschen und da soll dann der Klenze, der Architekt, mein Ingolstadt mit einer mordsmäßigen Festung absichern.

    "Moment mal", sagte der liebe Gott, "Wasser mach ich erst am dritten Tag, also übermorgen, und den Klenze, den wo ich nicht kenn', kriegst du erst am sechsten Tag." "Ja, passt schon" , grummelte Horst, "wenn du nur endlich anfangen tätst." "Höhö", entgegnete der liebe Gott, "wenn's dir nicht passt, dann schöpf doch selber." "Geht doch nicht, wie gesagt, ich muss mich auf den Parteitag vorbereiten, da kommen der Markus und die Angela, welche du dir am sechsten Tag ruhig sparen könntest. Nausgeschmissenes Geld ist das meiner Meinung nach."

    "Wer ist denn der Markus und wer die Angela?", fragte der liebe Gott. "Der Markus", brummte der Horst, "ist ein..." In diesem Moment ertönte ein ohrenbetäubender Knall, der das Weltall erzittern lies. "Was war jetzt das?", fragte sichtlich erschrocken der Horst. "Nur keine Panik", meinte daraufhin der liebe Gott. "Wir probieren gerade ein wenig den Urknall. Wo geschöpft wird, da knallt's." Aus diesem Grund erfuhr niemand, was denn der Markus für einer wäre. Später hieß es, der Horst verwende im Zusammenhang mit dem Markus immer ein sehr kurzes Wort, das auch in Verbindung mit einem fränkischen Fußballverein gerne gebraucht wurde. Aber das ist halt nur eine Vermutung. "Und die Angela", fügte der Horst noch an, "ist die Kanzlerin. Das ist das, was ich selber gerne geworden wäre, aber nicht in Berlin, sondern in München und ohne "-in" selbstverständlich. Und wegen dem Markus und der Angela brauch ich auch den Klenze und die Donau. Klenze schafft Grenze! Verstehst du?" "Muss ich?", fragte der liebe Gott zurück. "Ich brauch nicht nur eine Grenze, ich brauche eine Obergrenze". "Und was ist eine Obergrenze?", fragte der liebe Gott schon ziemlich eingeschüchtert. "Mei, lieber Gott, du hast ja von nichts eine Ahnung". "Du bist schuld", fuhr der Horst weiter. "Die brauch ich deswegen, dass die Leute, die du am sechsten Tag zuviel oder zu schlecht schöpfst, nicht nach Bayern kommen, zumindest nicht nach Ingolstadt oder München oder Garmisch oder". Jetzt reichte es dem lieben Gott aber gründlich und er sah den Horst mit zornigen Augen an. "Der Zorn Gottes wird über dich kommen!", rief der liebe Gott und sah dabei gar nicht mehr so lieb aus. "Was hast'n, ist das auch so ein Satz von dem Luther, den wo du noch in die Welt setzen wirst und der uns Bayern gerade noch gefehlt hat, so wie der Markus und der Beckstein und die Pauli und die Grünen und die SPD und .... Schöpf jetzt endlich und streit nicht rum. In der Genesis geht das Ganze ratzfatz auf 1,5 DINA-4-Seiten. Dem lieben Gott wurde übel. Denn er kannte die alle nicht und auch keine DINA-4-Seiten und es interessiert ihn überhaupt nicht. Allmählich dämmerte dem lieben Gott, dass er bereits bei der Herstellung des Mars einen saumäßigen Fehler begangen hatte. Marsmännchen hin oder her, er hätte den Horst einfach nicht bei sich aufnehmen sollen, als er an der Grenze um Asyl bat. Aber der Petrus, dieses Weichei, war mal wieder sehr gnädig gestimmt gewesen und nahm an diesem Tag aber auch jeden auf, der bei ihm um Asyl bat, selbst wenn er nicht einmal gültige Papiere vorweisen konnte, so wie der Horst, oder sie wahrscheinlich auf dem Weg vom Mars hierher weggeschmissen hatte oder sie ihm von himmlischen Schleppern geraubt worden waren. Die Bagage verdiente sich ein Schweinegeld nebenbei, das sie dann am Wochenende mit "Himmlischem Moseltröpfchen" oder "Blue Nun" oder "Würzburger Pfaffenberg" versoffen.

    "Und noch was", unterbrach da der Horst die düsteren Gedanken des lieben Gott, "für mein Bayern brauche ich ordentlich Berge für die Kühe, die du vor allen anderen Tieren neben den Schweinen machen musst. Sonst haben wir keinen Kaas nicht und keine süße Milch der frommen Denkungsart, keinen Schweinsbraten und, jetzt hätte ich's fast vergessen, Himmel Herrgott...", fluchte der Horst plötzlich. Mia brauchen an Hopfen und Braugerste fürs Bier und vergiss mir ja nicht den FC Bayern und BMW und..."

    In diesem Augenblick funkte der liebe Gott aber dazwischen. "Es reicht jetzt! Ich pfeif' auf diesen FC Bayern und deine Braugerste und auch den Schweinsbraten. Mir ist momentan jegliche Schöpfungslust total vergangen. Ich mag nimmer. Und statt endlich mit dem Schöpfen zu beginnen, dreht er sich abrupt um und rief: "Pause! Pause! Ich fang mit dem siebten Tag an, denn da, so steht es ja in der Bibel, ruht der liebe Gott." Und kein Horst oder sonst wer durfte ihn nun stören. Er bestellte sich eine ordentliche Portion Manna und schärfte dem Petrus mehrfach nachdrücklich ein, ja niemanden über die Grenze zu lassen. Das Boot sei voll. Sie hätten hier ja schließlich kein Asylantenheim. Und ohne Papiere schon gleich gar nicht. Und wenn jemand dabei sein sollte, der Horst hieß oder Markus oder Angela oder Gabriele, der so aussah wie eine Kuh, der nach Bier oder Käse roch oder gar einen BMW fuhr mit einem Bayern-Aufkleber, der sollte sofort zurückgebracht werden ins Weltall, das er hiermit komplett zu sicheren Drittstaaten erklärte. Dort könnten später einmal,so überlegte er, die bayerischen Jungliberalen angesiedelt werden, damit sie ihr Wahlprogramm in die Praxis umsetzen können.

    Nach diesem göttlichen Erlass ging es dem lieben Gott schon erheblich besser und er ließ sich noch eine weitere Portion Manna bringen und beschloss, noch am selbigen Abend eine neue Satellitenschüssel anbringen zu lassen, denn der Empfang eines einzigen Programms aus dem Vatikan war auf Dauer auch langweilig. Er hatte da durch den Horst von tollen Sendungen gehört. Die musste man allerdings extra bezahlen. Öffentlich ging da nix. Und nachdem er aus Versehen von dem alten Weihwasser getrunken hatte, ließ er in der Küche nachfragen, ob's noch was Anständiges zu futtern gäbe und ob sie vielleicht schon mal was von Schweinsbraten mit Knödeln und Starkbier gehört hätten, am besten aus einer himmlischen Klosterbrauerei. "Der Horst", dachte der liebe Gott ganz leise bei sich "ist mit Sicherheit eine lästige Kreatur, aber ein Hund ist er schon!"

    © ReiF

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  • Melodie: Ich hab mein Herz in Heidelberg verloren

    Die traurige Ballade vom Rock im Park

    Ich hab’ nen Rock im Park verloren
    in einer lauten Sommernacht.
    Zwischen zwei Zelten bei Johnny Osbourne
    hast du mich um den Verstand gebracht.

    Nun finde ich seit vielen Jahren
    meinen Rock im Park nicht mehr.
    Und mein Verstand blieb auch verschwunden.
    Ich find’ und find’ ihn nimmermehr.

    Oh liebe Leute, helft mir suchen.
    Der Rock war grün und ich war blau.
    Und auch die Nacht zwischen zwei Zelten.
    War bestimmt ganz unter aller Sau.

    Ich hab’ ....

    Und fällt dir ein,
    zu Rock im Park zu gehen,
    so denke dran, ne Hose tut es auch.
    Mit einer Hose kann dir nix passieren.
    Denn die hält viel besser um den Bauch.

    Ich hab’ ....

    © ReiF

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  • Alternativlos?

    Eine Mutter geht mit ihrem Kind an der Hand spazieren. Schöne, große Regenpfützen säumen den Weg. Aber die Mutter ermahnt ihren Sprössling, ja nicht in dieselben zu steigen. Da erblickt der Junior auf der anderen Straßenseite einen Altersgenossen, der mit Begeisterung in die tiefsten Pfützen springt, dass es nur so spritzt.

    Meint das sittsame Kind an der Hand der Mutter: "Daaf das das?" Darauf die Mutter:"Das daaf das." Kopfschüttelnd der Kleene: "Dass das das daaf?!"

    Sie sehen schon, die Episode trug sich im Berliner Raum zu. Und der Anlass, diese zu erzählen, war für mich immer ein Kapitel aus der deutschen Rechtschreibung: Das und dass (früher, vor der Rechtschreibreform daß geschrieben).

    Aber im Lichte der politischen Umwälzungen durch einen gewissen Herrn Trump, muss ich nachträglich Generationen von Schülerinnen und Schülern um Verzeihung bitten. Leider zu spät. Wie viele Fehler h ätte sich so ein geplagtes Wesen erspart und wie viele sinnlose Unterrichtsstunden hätte ich mir als Deutsch-Pauker erspart! Das und dass, was soll's? Mit einem Federstrich rettet Herr Trump nicht nur die weiße amerikanische Mittelschicht im Rustbelt vor dem Untergang. Nein, so nebenbei bringt er ein typisch deutsches orthographisches Ärgernis zum Verschwinden. Und das Ganze kostet keinen Cent. Genial. Einfach. Amerikanisch eben.

    Ein Blick auf das Wirken des klügsten, ideenreichsten und schon jetzt erfolgreichsten amerikanischen Präsidenten aller Zeiten genügt. Genau genommen war es ja nicht einmal Donald Trump persönlich, der Amerikaner mit pfälzischen Wurzeln. Es war Trumps Medienberaterin Kellyann Conway, die kongeniale und begnadete Interpretin von Fakten und Lügen, pardon, sie heißen ja jetzt alternative Fakten. "Klasse", sagt sich da der deutsche Schüler, wenn er nicht ganz blöd ist. "Diese Frau hat Recht." Das? Dass? Daß? Das sind alternative Fakten. Ich schreibe jetzt so, wie mir der Schnabel gewachsen ist. Wer bitte sagt denn, dass/das/daß der Duden Recht hat? So lautete vor vielen Jahren schon die Frage eines genervten Schülervaters an die Adresse des Deutschlehrers , weil der arme Knabe halt gar so greusliche/gräusliche/gräuliche/grässliche Rechtschreibfehler zu produzieren pflegte. Ab jetzt gilt: Meine persönliche Rechtschreibung greift auf ein reiches Reservoir an alternativen Fakten zurück, ein Buchstabenschatz von schier unermesslichem Wert.

    Jeder halbwegs intelligente Schüler und die Schülerinnen sowieso, haben Hunderte und Dausende aldernadiefe Facktn/Faggdn auf Lager. Die deutsche Rechtschreibung sei ab jetzt slikt und einfak. Darauf ein mehrfaches Petry Heil /Petri Heil. Ich wette einen Doppelbörger, dass ab jetzt nur noch spitzen-mäßige Ergebnisse die Rechtschreibtests unserer geplagten Schülerschaft kennzeichnen werden. Diese Erkenntnis ist ein alternativloser Fuckt. Maaltseid.

    © ReiF

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  • Nachgehakt

    Wir Franken habe es nicht einfach. Das liegt aber nicht nur am Loddar oder am Markus als Repräsentanten des Showbiz oder der Weltpolitik. Kaum macht ein echter Franke den Mund auf, lassen die Zuhörer die Kiefer klappern. Kaum ein deutscher Dialekt, außer dem Sächsischen vielleicht, erheitert und entsetzt die Zuhörer gleichermaßen.

    Umzingelt vom bairischen, alemannischen und mitteldeutschen Sprachraum, müssen wir uns behaupten gegen die vordringenden Oberpfälzer, Oberbayern, Schwaben und Sachsen. Politisch sind wir hier im Nürnberger Raum Mittelfranken. Sprachlich aber zählt unser Dialekt zum Ostfränkischen, genauer gesagt zum Oberostfränkischen. Mittelfränkisch als Dialekt spricht man an Rhein und Mosel. Das Gebiet gehört zum mitteldeutschen Sprachraum, wir Franken aber sind Teil des oberdeutschen Sprachgebiets. Alles klar?

    Nur zwischen Naila und Gunzenhausen, zwischen Altdorf und Ansbach und natürlich in Nämberch und Fädd konnten wir uns unseres südostfränkischen Dialekts sicher sein.

    Doch halt: Gibt es da nicht Jahr für Jahr in jenem letzten Außenposten reichsstädtischer Zivilisation kurz vor der Oberpfalz, also in Brunn, jenes vollkommen unnürnbergische Plakat zur Kirchweih? Da schreiben die Verfasser doch glatt etwas von einer Kirwa. Sie haben recht gehört. K i r w a. Man mag es einfach nicht fassen. Ja bitte, wou is denn des Gergla? Stimmt, der is aaf der Kärwa. Meinetwegen auch Kerwa. Aber noch nie ging ein Nürnberger auf die Kirwa. Nur in Brunn tut er das. Und kein Schwein regt sich auf.

    Hier hilft vermutlich nur noch ein Anruf bei unserem Heimatminister, dem Markus. Der kennt sich aus mit der Leitkultur. Und jetzt soll er da mal für Sauberkeit und Ordnung zumindest auf der Brunner Kirchweih sorgen.

    Zwar haben wir Nürnberger den Lautstand der Oberpfälzer teilweise in unseren Dialekt integriert. Man denke nur an das „ou“. Aber irgendwo muss Schluss sein. Und bei der Kerwa hört der Spaß auf. Zumindest der sprachliche. Eine fränkische Kirchweih ist eine ernste Sache. Kerwa bassd, Kärwa bassd aa. Aber eine Kirwa findet in Nürnberg erst statt, wenn die Altbayern Franken erobert haben. Das verhüte Markus. Sonst schmecken einem ja die Broudwäschd nemmä. Und wir können uns dann Wiaschdl zwischen die Weggla, pardon: Semmeln einzwicken.

    Also, liebe Brunner Kirchweihverantwortliche: Wenn im nächsten Jahr wieder Kirwa auf dem Plakat steht, dann halten wir es mit einem schönen fränkischen Spruch: „Heint hat dei Arsch Kärwa!“ Soll heißen? Genau.

    © ReiF

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  • Tic Tac - Eine Weihnachtsgeschichte

    Es war Ende Oktober. Ich hatte gerade den Unterrichtsraum aufgeschlossen und die alte Kipptafel mit einem Handtuch gesäubert.

    Leise öffnet sich die Türe und ein kleines Mädchen schaut gespannt herein. Schüchtern und neugierig zugleich. Sie traut sich nicht einzutreten. Da halte ich ihr ein Stück Kreide hin. Die Kreide und die damit verbundene Aussicht, etwas an die Tafel schreiben zu können besiegen die Angst. Sie beginnt sofort, alle möglichen Muster und Zeichen an die Tafel zu malen. Schließlich deutet sie mit einem Kreis und ein paar Strichen eine Blume an. Ich nehme meinerseits eine Kreide und schreibe das Wort Blume neben ihre Skizze. Sie lächelt und verlässt den Raum.

    Ein paar Minuten später. Die ersten Teilnehmer des Deutschkurses für Asylanten stehen schon vor der Türe. Das kleine Mädchen betritt noch einmal den Unterrichtsraum. In der Hand hält sie eine Dose. Sie öffnet die Dose und gibt mir zwei Tic Tac in die Hand. Dann geht sie wieder hinaus.

    Seitdem habe ich das kleine Mädchen nicht mehr gesehen Die beiden Tic Tac liegen noch immer in meiner Kreideschachtel.

    So oder so ähnlich ist Weihnachten. Glaube ich zumindest.

    All denen, für die Weihnachten eine religiöse Bedeutung hat, wünsche ich eine gesegnete Weihnachtszeit. All den anderen wünsche ich ein wenig Tic Tac.

    © ReiF

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  • High noon. Zwölf Uhr mittags

    Gary Cooper alias Will Kane steigt aus der Kutsche und blickt auf. Er wendet sich den umstehenden Bewohnern von Hadleyville zu. In der Ferne hört man das Pfeifen eines Zugs. Gary alias Will sagt: ...

    Aber der Reihe nach. Es ist 12 Uhr mittags. Stimmt. High noon. Stimmt auch. Wir sind im Nordwesten. Von Mittelfranken. Der Ort heißt im Dialekt der Einheimischen so, wie der Körperteil, auf dem man zu sitzen pflegt. Ganz breit ausgesprochen. Braad wäi ä Schdreiwannä. Eben wie der. Na, Sie wissen schon.

    Ob Gary alias Will so heißt, wissen wir nicht. Wohl eher kaum. An seinem Gürtel baumelt auch kein Colt. Und er trägt keinen Stetson oder dergleichen. Er trägt maximal schütteres Haar. Die herbstliche Sonne scheint durch die Fensterscheiben des Gasthofs. Von den Strukturtapeten sieht man förmlich das Kondenswasser fließen. Gerammelt voll. Karpfen, die aussehen wie panierte Räder. Entenbraten und Schäuferla. Alles da.

    Die Gesellschaft um Gary alias Will hat gerade die Pfefferkarpfen und die Schäuferla und Entenbraten serviert bekommen. Erste kräftige Kaubewegungen setzen ein. Da wiederholt Gary alias Will also noch einmal vernehmlich: "Harnstoff, ja, dess wärd aus Harnstoff hergschdelld. Kä Gschmarri ned. Also däss, woss im Urin drinn is. Und dabei blickt er prüfend in sein unfiltriertes, dunkelgelbes und leicht trübes Hausbier.

    Zwei Frauen hören auf zu kauen. Ein älterer Herr beäugt seinen Entenbraten. Die Kinder kichern. Dann legt einer seine Gabel weg. "Hab' ieh selbä glesn!" schiebt Gary alias Will nach und beißt in sein Gniedlä. Sein Nachbar meint, leicht irritiert, man könne ja einfach mal so zwischendrin einen Zwedschgä ordern. Einfach mal so. Einfach so zwischendrin. Und sein Zwetschgenschnapsbestellfinger fährt knapp an dem leicht geblähten Nasenloch seiner Gattin vorbei in die Höhe, wird aber augenblicklich zurückgezogen. Der Gesichtsausdruck seiner Ehegattin entspannt sich daraufhin in Richtung mildes Lächeln.

    Gary alias Will erzählt eindringlich und bildhaft . Das Essen hat ihn anscheinend so richtig in Fahrt gebracht. Die Details aus dem Reich von Urin und Harnstoff sprühen nur so aus ihm heraus in die mittägliche Essensrunde. Das Kautempo verlangsamt sich ganz allmählich wie die Räder der Dampflock am Kopf des Zuges, welcher den gemeinen Ganoven Frank Miller in das beschauliche Nest im Westen bringt.

    Die Bedienung hält es für angebracht, sich nach dem Befinden der Gäste zu erkundigen. "Schmeggds aich?" Das "ned" hat sie vorsichtshalber zurückgehalten. Ausweichende Antworten. Zurück hinter der Theke meint sie leise zu ihrer Kollegin, dass da vielleicht irgend etwas mit dem Essen nicht stimmen könne. "Abbä dä Wäsching is wäi immä!" klingt es fast trotzig. Ratlosigkeit hinterm Tresen. Beinahestillstand an den Tischen.

    Doch dann die Rettung. Die Engel sind's. Die gelben. Gary alias Will lässt sie im letzten Moment einfliegen. "Däss hadd dä ADAC gsachd." Und dabei ist er schon wieder bei einer ganz anderen Thematik. Ein unhörbares Aufatmen geht durch die Reihen.

    Im Gegensatz zur Tafelrunde bei König Artus sind hier die erlösenden Worte gesprochen worden. Besteck klappert. Kiefer mahlen wieder. Einer sticht mit seiner Gabel in den Karpfen und schaut gebannt in das Innere. Vielleicht ist da ja auch was von dem englischen Gruß drin. ADAC ist überall gut. ADAC ist in dieser Tafelrunde wie das Kirchenlied "Ein feste Burg ist unser Gott". Darauf kann man bauen. Der ADAC hat den Harnstoff in seine Schranken verwiesen. Da sieht die Welt doch gleich wieder anders aus. Gary alias Will ist halt doch ein Guter. Und als ob er es gewusst hätte, setzt er noch eins oben drauf. Er ist halt ein meisterhafter Drehbuchautor. "Also, däi Bayern", meint er, "und ieberhabbd dä Schweinsteiger! Endli!"

    Da schmeckt dann doch gleich wieder der Karpfen, und die Gniedlä und des Scheifala und die Endn. So schaut die Erlösung aus. Gary alias Will hat alle aus den Niederungen der gemeinen tierischen Chemie hinaufgehoben ins Philosophisch-Religiöse. An die Bayern und den Schweini. Daran kann man glauben. Da geht doch noch ein Seidlein oder auch zwei. Der Zwetschgenschnapsfinger findet Gnade in den Augen der Gattin, die sich höchstselbst noch einen Eisbecher gönnt. Schon einen gediegenen, mit was drin und drauf. Da hüpft die Galle und die Bauchspeicheldrüse brummt.

    Eine halbe Stunde später klopft man sich gegenseitig auf den Rücken und schüttelt Hände. Gary alias Will hakt seine Amy oder sonstwie unter. Mit sich und der Welt, dem ADAC, den Bayern und vor allem dem Schweini und den Gniedlä zufrieden zieht das Paar aus Hadleyville Richtung Heimat. Das Kanapee wartet und vielleicht noch ein Zwetschgen oder Willi. Schö war's, gschmeggd hadds. Und von wegen Harnstoff und Urin. Und seinen Sheriffstern trägt er unsichtbar auf breiter Brust. Ganz im Gegensatz zu seinem cineastischen Ebenbild.

    Kleine Prognose: Wahrscheinlich sinniert jetzt der Gary alias Will Kane, auf seinem Kanapee liegend darüber nach, mit welcher Thematik er am nächsten Sonntag punkten könnte. Ein Hund ist er ja schon. Drehbücher schüttelt er nur so aus seinem Ärmel. Und Filmhelden gibt es viele. Der Gary alias Will kennt sie alle in -und auswendig. Muss ja nicht immer ein Western sein. Aber Western sind schon gut. Das Böse lässt sich darin so eindrucksvoll besiegen. Und als triumphale Schlusssequenz kann er dann immer mit der Gattin und seinem fiktiven, rauchenden Colt der im Westen blutrot versinkenden Sonne nachfolgen. Alright.

    © Reinhard Figel

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  • Hinter den Bergen bei den 1000 Zwergen - Ein Märchen

    Es war einmal ein sehr kleines Dorf weit draußen vor den Toren der großen Stadt. Es lag verborgen hinter hohen Hügeln inmitten eines dichten Waldes, in dem sich nicht nur Fuchs und Hase gute Nacht sagten. So kam es, dass die fernen Beherrscher des Landes in längst vergangenen Zeiten dort gerne zur Jagd gingen, den einen oder anderen Bock schossen und auch sonst allerlei Unsinn in ihrem Sommer-Jagdschloss trieben.
    Nur eine schmale, holprige Straße führte in unser sehr kleines Dorf und oft lauerten wilde Gesellen hinter den finsteren Fichten und im Gebüsch, um die wenigen Besucher ihrer Habe zu berauben. So manches Fräulein verlor auf diese Weise nicht nur seinen Schmuck.
    Im Herbst sammelten die Bewohner Pilze und Beeren, auf den Wiesen hüteten sie Ochsen und Kühe, Schafe und Ziegen und auch Gänse. Das Geschnatter und Geblöke war kaum von dem der Bewohner zu unterscheiden und so war es kein Wunder, dass schon damals die Bewohner der Nachbargemeinden von einem Kuhdorf sprachen.
    Des Nachts schlichen sich die Dörfler manchmal in den Wald, wo sie gar nicht selten einem schmackhaften Stück Wild begegneten. Die weniger Rüstigen stellten den Vögeln nach und brieten sich dann einen Specht oder einen Storch. Selbst die Fischweiher der Umgebung waren nicht vor ihnen sicher. So lebten sie bescheiden in den Tag hinein und harrten der Dinge, die da kommen sollten oder auch nicht. Es gab gute Zeiten und schlechte Zeiten. Und hätte es damals schon Fernsehen gegeben, ja dann wären sie vermutlich richtig glücklich gewesen. Doch irgendwann ging ein Ruck nicht nur durch unser Dorf, sondern das ganze Land. Man hatte allseits beschlossen, wieder wer zu sein und es sich so richtig gut gehen zu lassen. So ergab es sich auch, dass aus der fernen Stadt immer mehr Menschen in unser kleines Dorf zogen, weil es dort schön ruhig und beschaulich war. Und das sehr kleine Dorf war bald nur noch klein. An den Wochenenden kamen Heerscharen von wohlhabenden Witwen und auch begehrte Greise in das kleine Dorf und belagerten die Gasthäuser und das Café, wo sie nach Herzenslust schmausten und nach einer Runde durch das Dorf mit prallen Bäuchen und völlig indiskutablen Cholesterinwerten wieder in ihre Residenzen fuhren. Bei schönem Wetter stürzten sich Pulks von Radfahrern den steilen Berg hinab, wo sie die absichtlich eng angelegte Kurve vor dem Gasthaus nicht mehr kratzten und zwangsläufig im Wirtsgarten landeten. Und wer weder die Kurve noch den Wirtsgarten hinbekam, der wurde von der eigens dafür bereitstehenden Feuerwehr aus den stacheligen Hecken, welche die Vorgärten vor allzu neugierigen Blicken schützten, herausgeschnitten und vorläufig medizinisch versorgt. Es war die goldene Zeit unseres kleinen Dorfes. Und nach Meinung der meisten hätte es immer so bleiben können.

    Weil es an den Abenden aber in unserem kleinen Dorf doch etwas langweilig war, schlossen sie sich in allerlei Gemeinschaften und merkwürdigen Vereinen zusammen. Die einen jagten hinter großen Bällen, die anderen hinter kleinen Bällen her oder veranstalteten auch solche, wo sie dann hintereinander herjagten und es am nächsten Morgen oft mancherlei Verwirrung in der Zuordnung gab. Wieder andere trafen sich des Abends in einem der Dorfgasthäuser, wo sie sich um einen mächtigen Tisch versammelten und bei Bier und Kartenspiel den Tag und ihre Ehegesponse vergaßen, welches letztere meist merkwürdig gelassen ertrugen. Noch andere übten sich im Löschen von inneren und äußeren Feuersbrünsten, was sie letztendlich auch wieder ins Gasthaus führte.
    Die reifere weibliche Jugend schmückte im Frühjahr die örtlichen Brunnen und Quellen allerliebst mit bunten Ostereiern. Den Osterhasen irritierte dieses Brauchtum doch sehr, weil er selbst des Malens und Eierlegens vollkommen unkundig war und mit der Darstellung seinesgleichen nicht immer konform ging. Außerdem kam er mit der Beschaffung der vielen Eier kaum nach und Plastik kam ihm nicht in seinen Korb. Seine Verwandtschaft vom Hasenbuck aber wollte er auch nicht ins Geschäftliche hineinziehen. Er wünschte sich lieber ein paar frei zugängliche Kohlköpfe, Möhren oder Salat in den Gärten statt der immergrünen, giftigen Koniferen.

    Irgendwann beschlossen die Bewohner des kleinen Dorfes, einen Dorfhäuptling zu wählen, der ihre Wünsche und Klagen in die ferne Stadt tragen und dafür sorgen sollte, dass ihre Mülleimer geleert und ihr Wohlstand gemehrt würde.
    Zweimal im Jahr feierten sie ein großes Fest im Dorf und am Waldrand. Dort saßen die Bewohner unseres kleinen Dorfes bis in den frühen Morgen, tranken Bier und andere berauschende Getränke, die manchem sehr schnell in den Kopf stiegen. Dann fingen die einen an, grässlich zu singen. Sie sangen, sie hätten so viel Dorst im grünen Forst und ähnlichen Unsinn. Ihr Gesang war grässlicher und lauter als der ihrer Musikkapellen und schallte durch Wald und Flur. Andere führten laute Gespräche und ereiferten sich darüber, wer wohl die wichtigsten Leute im Dorfe seien. Darüber gerieten sie meistens in Streit. Dann schrieen sie, stiegen auf Bänke und Tische, warfen mit Gläsern um sich oder verprügelten Besucher aus den Städten und Dörfern hinter den Hügeln.
    Die Jüngeren unter den Dorfbewohnern nahmen die Vorbereitung auf diese Feste ganz ungemein ernst. Schon viele Monate vorher übten sie sich in allerlei merkwürdigen Schlachtgesängen, die sie nur herausbrachten, wenn sie ordentlich Bier an den Stimmbändern zwecks Ölung und Kühlung vorbeirauschen ließen. Zur Aufführung selbigen Liedgutes kleideten sie sich dann in bunte Gewänder nach Art der führenden gesellschaftlichen Kreise, führten allerlei Schabernack im Dorfe aus, um schließlich den Tanz um das goldene Kalb, das hier ein Schaf war, zu zelebrieren. Waren die Festtage vorüber, zeigte sich das Prinzip der kommunizierenden Röhren auf eine beeindruckende Art und Weise auch hier. Der Inhalt vieler Geldbörsen hatte oft erschreckend abgenommen, während der Inhalt der inneren Organe, besonders eines, unglaublich an Umfang gewonnen hatte. So ging eben nichts verloren.

    Eines Tages gerieten unsere lieben Dörfler so schrecklich aneinander, dass der tosende Lärm des Nachts die Bäume entlaubte und die Tiere im Walde derart erschreckte, dass ihr König, ein großer schwarzbrauner Keiler mit gefährlichen Hauern, um Asyl für seine Untertanen beim Dorfförster bat. Der brave Förster gewährte der verängstigten Schar Zuflucht in seinem Garten und auf der angrenzenden Straße. Nicht alle aber waren mit den Asylanten einverstanden, denn man hatte in dieser Zeit schon viel über den Missbrauch des Asylrechts und seine Folgen für die Allgemeinheit gehört und betrachtete das Ganze nicht unbedingt als eine Verschönerung ihres Dorfes.
    Von diesem Tage an beherrschten Zank und Streit, Neid und Missgunst die Menschen. Und statt einander zu helfen und bei dem Wettstreit, wer das schönste Dorf im Lande habe, eifrig dabei zu sein, verschlossen sie sich voreinander. Kaum einer wollte noch Sport treiben oder sich mit den anderen ins Gasthaus setzen. Selbst beim Bäcker kauften sie nicht mehr ein. Stattdessen holten sie das Brot in der großen Stadt hinter den Hügeln und ihre Kuchen kauften sie auch anderswo. Bäcker und Gastwirte mussten schließen und für die großen Feste des Jahres fehlten alsbald die Helfer. Das sprach sich bis in die Nachbardörfer und Städte herum.
    Es wollte keiner mehr in das kleine Dorf hinter den Hügeln. Die jungen Dorfbewohner verließen ihre Eltern und zogen weit weg. Die Häuser standen leer und manche verfielen. In ihrer Not trafen sich schließlich einige der Dörfler, um sich zu beratschlagen. Auch den König der Tiere hatten sie mitsamt einer Abordnung eingeladen. Der schlaue rote Fuchs, ein Reh, der Grünspecht und zwei Erdkröten waren mitgekommen.
    Schließlich ergriff der König des Waldes, der schwarzbraune Keiler, das Wort: "Sehet her," sprach er zu den verzweifelten Menschen, "auch bei uns gibt es ja ganz unterschiedliche Mittiere. Genau wie ihr haben wir Schwarze und Rote oder Grüne. Es gibt Dicke und Dünne, Große und Kleine, Gescheite und Dumme. Aber deswegen muss man doch nicht dauernd streiten. Wer eine gute Idee hat, der kann sie bei unseren Versammlungen vortragen und dann sprechen wir darüber." Das schüchterne Reh nickte zustimmend, weil es die Hauer des Keilers nur allzu gut kannte. Und der Grünspecht, welcher eigentlich sagen wollte, dass die Verteilung der Farben unter den Tieren aber wesentlich bunter sei als bei den Dörflern, hielt lieber seinen Schnabel und schüttelte stattdessen sein Federkleid gründlich. "Also," beendete der Keiler seine Rede, "setzt euch zusammen und sprecht miteinander!"

    Nach diesen wahren und weisen Worten gingen die Versammelten in Gedanken versunken auseinander, nicht ohne vorher noch eine gemeinsame Sitzung aller Dorfbewohner im schon leicht verfallenen alten Dorfgasthaus vereinbart zu haben.

    Zwei Wochen später, es war mittlerweile schon kalt geworden, trafen sie sich wieder. Auch der Dorfhäuptling und die Anführer der anderen Gemeinschaften waren anwesend. An diesem Abend beschlossen sie, ausnahmsweise nur kein oder wenig Bier zu trinken.

    "Hört", sprach eine ältere Dame, die schon lange im kleinen Dorfe lebte, "ich hatte heute Nacht einen Traum. Mir träumte, alle Bewohner unseres kleinen Dorfes trafen sich auf einem großen, freien Platz, wo sie alsbald begannen, ein schönes Haus aus Holz zu bauen. In diesem Haus konnten sich die Dorfbewohner jederzeit zu einem Schwätzchen bei Kaffee und Kuchen oder einem kleinen Glas Bier oder Wein treffen. Und das Tolle war, es gab in dem Holzhäuschen einen Laden, wo die Bewohner des Dorfes Brot und Milch, Kaffee und Gemüse, Obst und Wurst kaufen konnten. Und beim Verkauf halfen alle zusammen. Das kleine Holzhaus wurde der Lieblingsort aller Einwohner des kleinen Dorfes. Keiner musste mehr zum Einkaufen in die Stadt hinter den Hügeln. Ja, es kam sogar vor, dass Künstler in das Holzhaus kamen und Musik machten oder Geschichten vorlasen."
    Ergriffen lauschten die Einwohner des kleinen Dorfes den Worten der weisen Dame.
    Nachdenklich gingen sie auseinander. Und wenn sie nicht gestorben sind, dann träumen sie noch heute.

    Wenn Sie nun meinen sollten, liebe Leserinnen und Leser, ein Märchen müsse ja irgendwie gut ausgehen und mit dem bisherigen Ende nicht zufrieden sind, na, dann bitte, vielleicht gefällt Ihnen ja folgender Schluss:

    Die Tiere des Waldes aber konnten ihr Asyl wieder verlassen und in Ruhe leben. Und weil ihr Dasein seit jener Zeit so viel schöner geworden war, nannten sie den Weg, wo sie vom braven Dorfförster Asyl erhalten hatten, Verschönerungsweg. Und so heißt er heute noch.

    © ReiF

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  • Willkommen im einzigen Nürnberger Bergdorf - Wie es einmal war

    Bereits die Anreise ist besonders. Nur über einen Pass erreichbar, gelangt der Reisende an das Ziel hinter den Bergen. 440 Meter Meereshöhe wollen überwunden sein, bevor es in rasanter Abfahrt bis ins Herz des "einsamen Walddorfes" geht. So zumindest war es in einem bekannten Wanderführer der sechziger Jahre des letzten Jahrhunderts zu lesen.

    Im Winter führt der Weg manchmal durch tief verschneite Wälder, im Herbst taucht der Wanderer in eine gelb-braun-rote Farbsymphonie ein und das Frühjahr hüllt den Besucher in tausend und ein Grün. Wer sich im Sommer auf seinen Drahtesel schwingt, kann an zwei Biergärten vorbeibrausen. Und für die weniger sportlichen Mitbürger lädt die Brunner "Rentnerallee" zum Schlendern und Bankdrücken ein.

    Schon die Namen der örtlichen Gastronomie lassen märchenhafte Waldeinsamkeit und stadtferne Ruhe anklingen: "Grüner Baum", "Waldgasthof Rubas", "Café Sagenhaft". Tatsächlich, ein Nürnberger Ortsteil ganz ohne Industrie, aber mit DSL-Anschluss. Mit einem Briefkasten, ohne öffentliches Telefon und gepflastertem Kirchweihplatz.

    Ungerecht ist es, dass Brunn keinen Höhenkurort von fränkischem Rang darstellt. Denn schließlich hat man von hier freien Blick zum fränkischen Kilimanjaro alias Moritzberg. Dafür ist es Namenspatron eines Autobahnparkplatzes und die Brunner wähnen sich im Besitz eines eigenen Autobahnanschlusses. Die Ordnungshüter sind da anderer Ansicht. Und die Differenz beider Meinungen beläuft sich dann sehr schnell auf einige Euro Bußgeld. Dabei ist es in Wirklichkeit doch so, dass der fleißige Brunner nur mal schnell mit einem Eimerchen Sand oder Bauschutt im Kofferraum unterwegs ist und so gesehen ein Transportfahrzeug darstellt, welches selbstverständlich die inoffizielle Auffahrt nutzen darf. Meint er.

    Ja, und schließlich haben die Brunner noch ein Feuerwehrhaus mit Feuerwehr und angeschlossener Fußballabteilung sowie eigenem Sportplatz, einen Sportverein mit Tennisplatz, Tennisheim und Grill, einen Kinderspielplatz, einen Open-air-Jugendtreff und einen von der Forstreform verschonten Eichenhain.

    Welcher Nürnberger Sportverein kann seinen Mitgliedern schon eine solche Anlage umgeben von Wiesen und Wäldern anbieten? Da macht es nichts, wenn es sich um den wahrscheinlich kleinsten Sportverein der Noris handelt. Und wenn Sie nicht Tennis spielen möchten, dann sehen Sie sich im Angebot doch einmal um. Von Zeit zu Zeit gibt es auch eine kleine Wanderung oder einen Radausflug.

    Dass die Brunner Sinn für Kultur, Geschichte und Tradition besitzen, liegt nicht nur an ihrer ruinierten Burg. Jährlich schmücken sie einen Osterbrunnen, feiern im Eichenhain am ersten Sonntag im Juli das Eichenhainfest und am vierten Sonntag im Juli ihre Kirchweih. Dann herrscht von Freitag bis Sonntag Ausnahmezustand. Der Ort wird zur Pilgerstätte ausgemergelter Wanderer und Radler. Die Kärwäboum und Kärwämadlä pflegen ihr anstrengendes Brauchtum, welches sie schon seit Monaten eingeübt haben. Genauer gesagt, sie haben damit eigentlich nie so richtig aufgehört. Und der waldgrüne Toilettenwagen beweist zum zweiten und letzten Mal seine Funktionsfähigkeit.

    Und weil die Kirchweih so schön ist und eigentlich gar nicht aufhören darf, hört sie auch nicht auf. Zumindest nicht schon am Sonntag. Von wegen. Am Mittwoch geht es noch einmal zur Sache. Und es wird klar, die Zeit von Freitag bis Sonntag war nur die Übungsphase. Denn jetzt folgt der wirkliche Höhepunkt. Und auch die Nürnberger Politprominenz stellt sich dann zum Feiern ein. Stadträtinnen und Stadträte, Bürgermeister oder Oberbürgermeister sowie Abgeordnete aus Land- und Bundestag verleihen dem Fest im Bergdorf Glanz und Würde. Ob es an der Qualität der preiswerten Bratwürste und des Bieres liegt oder an den immer bevorstehenden Wahlen, das verschließt sich unserer Kenntnis. Und da Politikerinnen und Politiker ja im Gegensatz zum gemeinen Fußvolk eh nicht so auf den Cent und Euro schauen müssen, treibt sie wahrscheinlich der Charme des schönsten Nürnberger Ortsteils hierher. Wenn die letzte Bratwurst verschlungen, die letzte Maß gestemmt, zum letzten Mal "1, 2, 3 g'suffa" erklungen ist, rein arithmetisch müssten es so um die 4197 gewesen sein, chauffiert ein gnädiger VAG-Busfahrer all die müden Leiber von Prominenten und auch die der völlig Namen- und Mandatlosen wieder zurück in die brodelnde Großstadt. Dornröschen versinkt in seinen Schlaf, der Kirchweihplatz mutiert zum Plattensee und der Toilettenwagen macht eine fast einjährige Pinkelpause in grüner Waldeinsamkeit.

    Sollten dermaleinst Wolf, Bär und Elch auf das Gebiet der freien und Reichsstadt Nürnberg zurückkehren, dann nehmen sie bestimmt den Weg über Birnthon, Netzstall und Brunn. Und da haben sie dann die Möglichkeit zu entscheiden: Biergarten oder Tiergarten. So wie die sonntäglichen Wanderer auch. Sollten Wanderer, Elch und Co. sich dann für den Biergarten entscheiden, dann könnten sie hinterher immer noch gemeinsam mit dem Bus Richtung Tiergarten fahren. Der Elch, der Wolf und der Bär zum halben Preis. Und beim Aussteigen entschlüpft dem bierseligen Wanderersmann vielleicht zurecht ein: "Ich glaub mich tritt ein Elch!" Oder war es doch Bruno der Wappenbär aus Birnthon?

    © ReiF

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  • Das laktophile Quartett und die Frage, ob Hund und Milch kompatibel sind

    Sicherlich ist Ihnen bekannt, dass manche Genussmittel wie Wein, Tee oder Kaffee, ja auch Olivenöl, von Profis verkostet werden, um die Qualität zu testen und ihren späteren Marktwert festzulegen. Stellen Sie sich vor, das Gleiche geschähe mit der Milch unserer Stadtrandgemeinde. Eine Viererbande von professionellen Verkostern sitzt zusammen und dann geht's los und wir sind jetzt einmal mitten dabei und lauschen ein wenig den gewichtigen Worten ebenso gewichtiger Herren. Damen sind nicht dabei, da eher ungewichtig.

    Bedeutungsschwer schüttelt Herr Meier-Oberland sein ergrautes Haupt. Nein, er könne in dieser Milch eigentlich keinen typischen Geschmack feststellen. Und schließlich sei er seit über 12 Jahren professioneller Milchverkoster und durchaus in der Lage Grand-Cru-Milch von einer einfachen Qualitätsmilch ohne Prädikat zu unterscheiden. Aber andererseits, ganz zum Schluss, sei da doch eine Geschmacksnuance bemerkbar. Er sei sich nicht sicher, aber irgendwie schmecke die Milch vom Entenriedhang nach, na ja, wie solle er sagen, nach Hund. Genau.

    Noch genauer nach einer bestimmten Hunderasse, ja, so eine mittelbraune. Stirnrunzelnd nehmen sich seine Kollegen aus der Verkosterriege noch einmal die 4 Proben aus B. zur Brust. Es wird geschlürft, geschmatzt und wieder ausgespuckt. Und nach einigem Hin und Her sind sich die Herren einig. Die Wiesen an der Hochstraße erhalten wegen ihres aufdringlichen Parfüms die Klassifizierung "Qualitätsmilch bestimmter Hundegassigebiete", allerdings ohne Prädikat. Eine bestimmte Hunderasse ist im Geschmack der Milch nicht zu erkennen. Querbeet über die Promenade sozusagen. Die Wiesen an der Majoranbergstraße, die größten in B., fallen in die Kategorie "Grand Cru exceptionel", voll und reif mit einem langen Nachhall von Frolic-Aromen. Vorzüglich geeignet als Begleiter zu Mehlspeisen oder zum Cappuccino.

    Außerdem gibt es da noch eine Lage "Selection Jagdhund", etwas scharf am Gaumen, aber durchaus spritzig und wie geschaffen als Begleiter für ein Bio-Frühstück aufstrebender Jungmanager.

    Nur die Wiesen an der Straße nach N. entziehen sich einer differenzierenden Beurteilung. Liegt es daran, dass hier neben den Fäkalabscheidungen der lieben Vierbeiner immer so ein dezenter Dieselgeschmack innewohnt und Spuren von Cola und Red Bull der nächtlich bevölkerungspolitisch tätigen Dorfjugend. Man einigt sich schließlich darauf, Milch von Kühen, die mit diesem Gras gefüttert worden waren, als Tafelmilch herabzustufen. Der betreffende Landwirt muss deswegen mit beträchtlichen Einkommenseinbußen rechnen. Schließlich bringt ein Liter Grand-Cru-Milch in der Feinkostecke bei Karstadt den 30-fachen Preis einer einfachen Tafelmilch. Da helfen selbst die Künstleretiketten nichts.

    Und die Moral, liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger?

    Wenn Sie Ihren Maxi oder Mini durch Feld, Wald und besonders Wiesen düsen lassen, dann denken Sie daran, dass gemähter Hundekot kein genuiner Bestandteil von Milch sein muss. Schließlich ist es den Landwirten nicht zuzumuten, in der Scheune allabendlich die Familie um das frisch Gemähte zu versammeln und jedem ein Paar Plastikhandschuhe zu überreichen, damit Lumpis geregelte oder Bellos ungeregelte Verdauung in gemütlicher Gemeinschaftsarbeit aus den Löwenzahnstängeln gefischt wird. Denn merke: Die Kuh hat eine feine Nase und frisst nicht jeden Sch... . Oder essen Sie Ihre Radieschen erst dann gern, wenn sie zuvor unter einem schönen Hundehaufen heranreiften? Na also. Ihre ortsansässigen Landwirte danken für so viel Feingespür. Die Milch macht's halt.

    © ReiF

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  • Energiewände jetzt!

    Das Gejammere über "lö Waldsterben", wie der Franzose zu sagen pflegt, das war gestern. Daran verschwendet der rational orientierte Franzmann nicht einmal ein Wort aus seiner geliebten Muttersprache. Aber wir mit unseren romantischen Vorstellungen. "Am Brunnen vor dem Tore, da steht kein Lindenbaum!" So muss das heißen.

    Mittlerweile wissen wir, dass Bäume eben sterben müssen. Basta. Baumsterben ist normal. Wir müssen ja auch. Nur, die Stauden werden schon mal hundert oder zweihundert Jahre alt. Und manche noch älter. Wenn man sie lässt. Gott sei Dank hat die bayerische Staatsregierung diesem Gerontofizierungsprozess unserer Wälder den Kampf angesagt. Sie werden jetzt schon mal in der Blüte ihrer Jahre umgesäbelt und zu Kohle gemacht. Nicht Holz-. Sie wissen schon, wie das gemeint ist.

    Welcher Mensch wird schon hundert oder gar zweihundert Jahre alt? Okay, in der Bibel steht was von Abraham und seinen Zeitgenossen. Die erreichten das sprichwörtlich biblische Alter. Aber unsereiner? Da haben Vater Staat und die Krankenkasse aber gewaltig was dagegen.

    Aus Bäumen werden anschließend Möbel, Spielzeug. Oder - weil wir gerade beim Thema sind - Särge. Särge. Ja, muss auch sein. Oder, im Zeichen des Energiesparens: Wände, also Energiewände. Das spart Kohle in jeder Hinsicht.

    Manche Bäume werden einfach verbrannt. Wie wir. Gut, manche werden krank. Ihnen gehen die Nadeln aus. Kenn ich von mir. Oben alles kahl. Aber da regt sich außer mir keiner drüber auf. Manche kriegen Pilze. So was haben die Menschen fast dauernd. Fußpilz und Schlimmeres. Baumpilz beim Menschen ist mir nicht so bekannt.

    Aber der Hammer ist ja der: Neulich fiel mir beim Ausmisten meines Zeitungskorbs ein Zettel in die Hand. Halten Sie mal die Luft an. Es gibt jetzt auch Baumbestattungen. Stand da schwarz auf weiß. Und so was kostet schlappe drei bis viertausend Euronen. Stellen Sie sich das mal bei der Masse Bäume vor, allein in Deutschland. Das sind mehr als 80 Millionen. Rechnen wir mal angenommen mit 200 Millionen Bäumen in diesem unseren Land. Macht? Geht nicht in meinen Taschenrechner. Das ist erheblich mehr, als unter den Eurorettungsschirm passt. Das ist Lehmannpleite mal Griechenlandbankrott mal Portugal-pleite.


    Unglaublich, wer auf die Sch...idee mit der Baumbestattung gekom-men ist. Vermutlich irgendwelche Ultramaxialternativgrüne. Jedem Baum sein Grab! Da lob ich mir die Länder mit einem hohen Wüstenanteil. Ägypten zum Beispiel oder Mali oder so welche.



    Aber stellen Sie sich Brasilien vor oder Finnland! Voller Wald. Staatspleiten vom Feinsten. Da hilft auch kein Euro-Rettungsschirm mehr. Da hilft nur eins: Energiewände jetzt. Raus mit dem Zeug und ab durch den Kamin. Dann wird's beschaulich in den heimischen Stuben und Platz gibt es auch auf unserem Planeten. Der Baum oder wir. Dafür sollte man demonstrieren. Und keine Bäume am Stuttgarter Bahnhof schützen.

    © Reinhard Figel

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