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Nürnberg-Brunn

Kultur und Natur in Brunn

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Naturschätze im Nürnberger Reichswald

Naturkundlicher Spaziergang um Brunn am 29. Mai 2011

So viele Spaziergänger auf naturkundlichen Pfaden hat es in Brunn noch nie gegeben.
32 Zweibeiner und zwei Vierbeiner waren am Sonntag, den 29. Mai über zwei Stunden unterwegs,
um sich von Diplombiologe Wolfgang Dötsch unterhaltsam und sachkundig über Erdkröten,
Dukatenfalter oder Kompass-Lattich informieren zu lassen.

Auf Einladung des Bürgervereins
Brunner und Auswärtige trafen sich zu einem nachmittäglichen Erkundungsgang. Es ging um die
Besonderheiten von Flora und Fauna des "einzigen Nürnberger Bergdorfs".

Die Brunner Weiher
Erster wichtiger Haltepunkt war an den Brunner Weihern.
Brunn weist die größte Erdkrötenpopulation im Stadtgebiet auf. Hier tummeln sich neben den
Kröten Grasfrösche, Bergmolche, Teichmolche. Als eines der beiden Vorkommen im Stadtgebiet
ist auch der Kammmolch in Brunn zu finden. Selbst der im Nürnberger Stadtgebiet seltene
Salamander lässt sich hier ab und zu sehen. Außerdem bereichern Libellen wie die gebänderte
Prachtlibelle und die Adonislibelle die Weiherkette am Brunner Berg.

Die Dukatenfalterwiese
Gleich hinter den Weihern, oberhalb der ehemaligen Forellenzuchtanlage, machte Wolfgang
Dötsch auf eine weitere Rarität aufmerksam. Der einstige Acker, jetzt in der Obhut des
Landschaftspflegeverbandes Nürnberg, bietet seltenen Faltern Nahrung.

Auf der Dukatenfalterwiese wachsen kleiner und großer Sauerampfer. Dieser dient als
Nahrungsquelle von Dukatenfalter, Rundaugen-Mohrenfalter und kleinem Perlmuttfalter.

Wenn wir auch den Dukatenfalter an diesem Nachmittag nicht zu Gesicht bekamen, so konnten
wir doch die beiden anderen vorbeiflattern sehen. Der Rundaugen-Mohrenfalter ist in Nürnberg
sehr selten und der kleine Perlmuttfalter steht in der BRD großflächig auf der Roten Liste. Der
kleine Feuerfalter war ebenfalls zu Gast, ein "Flattermann", der auf Sandgebiete spezialisiert ist.

Blick auf den Moritzberg
Vorbei am Fledermauskeller, dessen Freilegung zum Vorbild für ein ähnliches Projekt des BN
wurde, ging es auf den "Höhenzug" des Brunner Berges.

Ein wundervoller Blick auf den Moritzberg, den Hausberg der Nürnberger, belohnte die Mühen.
Die Hügel krönen Bestände ehrwürdiger alter Buchen und seltener Weißtannen.

Wolfgang Dötsch wies darauf hin, dass im Zuge der Klimaerwärmung die Lebensbedingungen
für die Fichte, einen wichtigen Wirtschaftsbaum, immer schlechter werden, während gleichzeitig
sich die Bedingungen für die Weißtanne wieder verbessern.

Gänseried und Grasfrosch
Auf dem Weg zum Eichenhain ging es vorbei an Flatter-Binse, Wald-Schachtelhalm und
Springschaumkraut. Wolfgang Dötsch zeigte, wie man mit Hilfe von Binsen flechten kann und
verwies auf Redensarten wie die von der "Binsenweisheit" und "in die Binsen gehen".

Auf dem Weg durch den feuchten Wald beim Gänseried musste ein Grasfrosch für einige Zeit
als Demonstrationsobjekt seiner Art herhalten.

Kamille, Mohn und Kompass-Lattich
Ganz anders dann die Vegetation an den Ackerrändern mit Hunds-Kamille (Geruch!),
strahlenloser Kamille, geruchloser Kamille, Klatschmohn, Ackerhellerkraut (auch hier wieder ein
Bezug zum Geld in der Namensgebung wie beim Dukatenfalter), Silberfingerkraut und Kompass-
Lattich. Dieser besitzt die Fähigkeit, seine Blätter dem Sonnenstand anzupassen, was ihm wohl
den Namen "Kompasspflanze" eingebracht hat.

Entlang des Waldrandes noch ein Blick auf den schwarzen Holunder, der in der Volksmedizin
und auch in der regionalen Küche ("Holunderküchle") eine Rolle spielt. Mittlerer Klee und
Hartriegel zählen ebenfalls zu typischen Pflanzen an Waldrändern. Das Holz des Hartriegels ist,
laut Wolfgang Dötsch, nicht nur sehr hart, sondern auch sehr schwer und wurde bzw. wird zur
Werkzeugherstellung benutzt. Die Pflanze ist verwandt mit der Kornelkirsche.

Eichenhain
Weiter ging es zum Eichenhain, einem rund zweihundertjährigen Eichenbestand, angelegt von
Menschenhand. Eichenwälder dienten in früheren Zeiten zur Eichelmast der Schweine. Mit
Eicheln gefütterte Schweine ergeben ein ausgesprochen aromatisches Fleisch. Hochwertiger
spanischer Schinken, in Gourmetkreisen sehr geschätzt, entstammt dieser Form der Tierhaltung.
Versuche in dieser Richtung werden übrigens neuerdings auch wieder in Franken durchgeführt.
("Eichelschwein" aus Iphofen)

Zum guten Schluss
Die kurzweilige Führung endete gegenüber dem Tennisheim an der ehemaligen Orchideenwiese,
wo Kuckucks-Lichtnelke, Margerite und Bach-Nelkenwurz eine bezaubernde Feuchtwiese zieren.

Und danach?
"Am Maderersbrunnen" kam es dann zum "Nachspiel". Bei einem Gläschen "Vorspiel" aus dem
Burgenland oder schlicht Nürnberger Hahnenwasser ließen noch einige Mitwanderer die
Unternehmung ausklingen.

Brunn und die Geologie
Der geologische Untergrund unseres Raumes wird geprägt vom Wechsel zwischen lehmigen,
sandigen und steinigen Böden. Die späteiszeitlichen Sanddünen zwischen Moritzberg und Brunner
Berg spielen bis in die Gegenwart hinein eine Rolle als Bausand. Von Bamberg bis Weißenburg
zieht sich die sog. SandAchse, ein Verbundsystem wertvoller Biotope mit seltenen Pflanzen und
bedrohten Tieren.

In früheren Zeiten wurde der Kalk der Jurahochflächen als Baumaterial und zur Mörtelherstellung
verwendet. Dazu musste der Kalk gebrannt werden ("Kalkofenstraße"). Die Stellen des Abbaus
kann man noch heute auf dem Moritzberg erkennen.

Die im Doggersandstein enthaltenen Eisenerze wurden in vorgeschichtlicher Zeit schon abgebaut
und bis ins 20. Jahrhundert hinein in der Oberpfalz zur Eisengewinnung verwendet (Auerbach).
In unserem Raum sind die Vorkommen an Eisenerz wie auch an Kohle sehr gering.

Schließlich tragen die lehmigen Hänge der Alb bedeutende Obstbaumbestände (Kirsche). Und die
Kiefernwälder um Nürnberg waren der erste künstlich angelegte Forst Europas, Quelle für Bau-und
Brennholz, aber auch Heimat der Zeidler (Imker).

Tun Sie etwas für den Naturschutz!
Brunn ist (noch) reich an Naturschätzen, mögen sie auch verborgen sein, wie das bei Schätzen
ja so üblich ist. Sie gilt es zu erhalten oder gar zu mehren. Dazu kann jeder beitragen:

  • Als Gartenbesitzer
    Schaffen Sie einen reich gegliederten Garten mit vielfältigen Pflanzen und Versteck-
    möglichkeiten für Tiere. Einheitsgrün, ausschließlich exotische Pflanzen, Kunstdünger
    und Pestizide vernichten und vertreiben heimische Naturschätze.
  • Als Landwirt
    Nehmen Sie Rücksicht auf gewachsene Strukturen an Feld- und Waldrändern. Pflegen Sie
    Hecken und vermeiden Sie möglichst den Düngereintrag in Gewässer. Beschränken Sie
    ganz allgemein die Verwendung von Pestiziden und Kunstdüngern auf ein Minimum.
  • Als Spaziergänger und Radfahrer
    Genießen Sie die Schönheiten unserer Landschaft verhalten Sie sich rücksichtsvoll.
    Auch sportliche Fahrer haben die Verpflichtung, sich an geeignete Wege zu halten.
  • Als Auto- und Motorradfahrer
    Respektieren Sie die Fahrverbote in unseren Wäldern und Landschaftsschutzgebieten.

140 Euro Spenden
Für den Bund Naturschutz Nürnberg erbrachte der Rundgang einen sehr angenehmen Zusatzeffekt:
140 Euro freiwilliger Spenden sind nach den Worten von Wolfgang Dötsch bei einer solchen
Gelegenheit ein neuer Rekord.

Dank
Im Namen von Wolfgang Dötsch und auch im Namen des BV Brunn möchte ich mich bei allen
Teilnehmern für ihr Interesse und natürlich auch die Spendenbereitschaft ganz herzlich bedanken.



Reinhard Figel
(Bürgerverein, AK Natur und Umwelt/Naturschutzwacht Nürnberg)

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